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Familiengruppe

Die teilnehmenden Familien treffen sich etwa einmal im Monat zu gemeinsamen Unternehmungen in der Natur oder Ausflügen zu interessanten Orten. Im Vordergrund stehen naturnahe Erlebnisse und Abenteuer sowohl für die Kinder als auch für die Eltern.

Meist handelt es sich um maximal halbtägige Wanderungen im Radius von ca. dreißig Minuten um Ellwangen (Ellwanger Berge, Virngrund, Ries, Hohenlohe, Schwäbische Alb). Aber auch Ausflüge zum Klettern am Fels, zum Kanufahren, Slacklinen, zu Höhlen, in Zoos und im Winter zum Ski- und Schlittenfahren sind wiederkehrende Programmpunkte. Die Ausflüge finden meist ihren Abschluss bei einer gemeinsamen Einkehr, beim Grillen oder Ähnlichem.
Das Highlight des Jahres bildet (mindestens) eine Hüttenausfahrt in die Alpen. Auf spielerische Weise wird durch die Unternehmungen das Vertrauen der Kinder in die eigenen Fähigkeiten gestärkt, werden soziale Kompetenzen gefördert und Aspekte der Sicherheit beim Unterwegssein im Gelände vermittelt. Die dabei entstehende Eigendynamik unter den Kindern („wer braucht schon Erwachsene“) vermehrt zudem die sportlichen und sozialen Erlebnismöglichkeiten der Eltern.
Gäste sind stets willkommen, besondere Kenntnisse sind, außer bei Kletterausfahrten, nicht erforderlich. In diesem Fall wird darauf hingewiesen. Das Alter der Kinder liegt zur Zeit zwischen 1 und 12 Jahren, mit einem Schwerpunkt bei den 3 bis 8-Jährigen. Gelegentlich wird die Gruppe bei den Ausfahrten aufgeteilt, damit alle Kinder auf ihre Kosten kommen (z.B. Klettersteig für die großen, Spiele oder einfache Wanderung für die kleineren Kinder).

Seit dem Jahr 2013 können sich die Kletterer der Familiengruppe (und am Klettersport interessierte Mitglieder / Gäste) regelmäßig zum Training in der Kletter- / Boulderhalle der Marienpflege in Ellwangen treffen. Die Termine hierfür werden monatlich vereinbart.

Die Planung der Ausflüge und die Kommunikation der Details erfolgt über den E-Mail-Verteiler. Dies betrifft auch das Klettertraining.

Alle Gruppenmitglieder sind herzlich eingeladen, Ausflüge vorzuschlagen und / oder zu organisieren.

Treffen: in der Regel sonntags, einmal im Monat

Kontakt
Dr. Daniel Schiefer

(0175-5929384)

e-mail: d.schiefer(at)alpenverein-ellwangen.de

Familienausfahrt auf das Schwabenhaus
Am Mottakopf
Auf der Slakeline
Energiereiche Steine
Fliegenpilze
Gipfel der Mondspitze
Pause auf der Furkaalpe
Schwabenhaus Oktober 2012
Vester mit Aussicht
Wilde Felsformationen

Das bis unters Dach bepackte Auto quälte sich die letzten Kurven im ersten Gang zum auf 1250 m gelegenen Schwabenhaus. Die Kinder stürmten aus dem Auto und es empfingen uns sonniges Spätsommerwetter sowie zwei kurz vor uns angekommene Familien. Ein mit vier Tagen deutlich „verlängertes Wochenende“ in den Bergen konnte beginnen.

Die Familiengruppe Ellwangen existiert seit Ende 2011 und trifft sich etwa einmal im Monat für Ausflüge zwischen Schwäbischer Alb, Ries und dem Hohenlohe, meist zu kurzen Wanderungen. Eine längere Ausfahrt führte bereits im Frühsommer zur Albert-Link-Hütte am Spitzingsee. Solcherart berg- und teamerprobt erwartete uns im Oktober der Höhepunkt des Jahres 2012 auf dem Selbstversorgerhaus der Sektion Schwaben.

Geheimnisse des Hauses

Den Anreisetag am 3. Oktober verbrachten wir entspannt zwischen Auspacken, Zimmerverteilung, Tourenplanung und dem „Runterkommen“ in der herrlichen Landschaft. Nach und nach wuchsen wir auf die erwarte Stärke von fünf Familien an, eine sechste Familie musste wegen eines kranken Kindes leider zuhause bleiben. Während die Eltern sich dem Begrüßungstrunk widmeten und friedlich das Bergpanorama bewunderten, entdeckten die elf Kinder zwischen eins und neun Jahren rasch die Geheimnisse des traditionsreichen Hauses. Ein offenbar über Jahre sedimentierter Kronkorkenschatz wurde im Keller ausgehoben, die wenigen noch leerstehenden Zimmer zu „Gefängnissen“ umfunktioniert, die Haustanne bis in den Wipfel erklettert und mit eigenwilligen Seilkonstruktion am Klettergerüst vertäut…

Auf die Mondspitze

Wegen der unsicheren Wettervorhersage starteten wir gleich am zweiten Tag die längste der geplanten Touren. Gemeinsam stiegen wir etwa 400 hm Richtung Mondspitze auf. Die Kleinsten hatten ihren bequemen Platz in der Kraxe, aber schon die Dreijährigen liefen fast die ganze Strecke selbst. Gelegentliche Schwächeanfälle, während der die Schultern der Papas herhalten mussten, waren meist nach wenigen Minuten beendet, wenn die anderen Kinder wieder einen steilen Abstecher, eine Quelle, glitzernde Steine oder einen coolen Hügel zum Runterrollen gefunden hatten. Nach etwa zweistündigem Marsch kamen so alle auf der Furklaalpe an, deren Hütte im Oktober zwar nicht mehr bewirtet war, die uns dennoch einen windgeschützten und aussichtsreichen Rastplatz bot. Während die kleineren Kinder mit ihren Eltern auf dem Tschengla-Höhenweg zurück zum Schwabenhaus gingen (hier war Überredungskunst gefragt!), starteten drei unterschrockene Sieben- bis Neunjährige mit ebenso vielen Erwachsenen im Schlepptau den Aufstieg zum Gipfel des knapp 2000 Meter hohen Hausbergs. Hier war Trittsicherheit erforderlich, gelegentlich mussten die sich eifrig unterhaltenden Kinder daran erinnert werden, sich gedanklich dem Weg zuzuwenden. Wegen aufkommenden Schlechtwetters erfolgte nach der Akrobatik fürs Gipfelfoto ein zügiger Abstieg, so dass wir pünktlich zum Kaffee wieder auf der Hütte waren.

Steinkreise und Fliegenpilze

Tags darauf erkundeten wir bei erneut herrlichem Frühherbstwetter mit reichlich Sonnenschein die nähere Umgebung des Schwabenhauses auf dem Hochtal der Tschengla. Da die Kühe schon ins Tal getrieben waren, konnten die Kinder nach Herzenslust auf dem hügeligen, aber ungefährlichen Gelände herumtollen. Am Spielplatz mit Bach wurden Dämme gebaut und Glitzersteine gesammelt. Weiter ging es zu den  „Steinkreisen“. Diese Ansammlung teils mehr als mannshoher Steine stellt möglicherweise eine prähistorische Kultstätte dar. Trotz eines Schildes, das vor der hohen Energie warnte, welche diese Steine verströmen sollen, wurden sie von den Kindern unbeschadet erklettert. Auf dem Weg zum hiesigen „Mottakopf“, einem kleinen Hügel, zu dem man zunächst länger bergab geht, fanden wir eine Vielzahl teilweise riesiger Fliegenpilze. So hatten Kinder und Erwachsene einen entspannten und doch sehr abwechslungsreichen Tag, der kulinarisch angemessen zur Her- und Unterkunft mit schwäbischen Maultaschen weiterging und für die Erwachsenen erst spät, nach Verkostung hiesiger Getränke und einiger mitgebrachter Destillate endete.

Durch die Bürser Schlucht

Am vierten Tag führte unser Weg durch die Bürser Schlucht am Eingang der Brandnertals. Wir folgten dem Alvier auf einem schmalen Pfad, über Stege und schwindelerregende Brücken stromaufwärts. Am Ende ging der Weg nach kurzem, anstrengendem Aufstieg aus der Schlucht sanft durch einen schönen Mischwald mit interessanten Felsformationen absteigend zurück nach Bürs. Vor der Rückfahrt sammelten wir noch die Klettersachen ein, die wir zwar zunächst ein paar Meter in die Schlucht getragen hatten, aber nach Besichtigung des dort gelegenen Klettergartens doch ungenutzt im Wald versteckt hatten. Die einzige für Kinder geeignete Kletterroute (im vierten Grad) hätten wir nur nach langem und teilweise schwierigem Zustieg erreicht. Da auch um diese Route fast nur überhängende Felsen waren und drum herum nicht gerade Platz zum Spielen war, musste dieser Programmpunkt leider ausfallen. Stattdessen gab es nach der Rückkehr zum Schwabenhaus Slackline und Tischtennis.

Schwabenhaus Ade

Das eigentlich schon länger angekündigte Herbstwetter stellte sich nun doch ein und begann den Abreisetag wie es ihn beendete: mit Dauerregen. Um so leichter fiel uns Erwachsenen daher der Abschied, als wir nach dem Packen, Aufräumen und Putzen schon mittags beschlossen, zurück nach Ellwangen zu fahren (nur die Familie des Autors ließ sich in Bludenz noch ein wenig nass regnen). Die Kinder jedoch, deren Stimmung trotz leichten Schlafdefizits bisher immer bestens war, reagierten mit Abschiedsschmerz auf das Ende des Kurzurlaubs: „Ihr habt versprochen, dass wir heute noch etwas machen! Ich will nie wieder in die Berge und auch nicht in den Urlaub“ hieß es denn auf der Rückfahrt im Auto. Übersetzt aus der Sprache eines Siebenjährigen heißt das: Schwabenhaus, wir kommen wieder!

Daniel Schiefer

Mit dem Bus in die Brennerberge
Der Weg zur über den Kastnerberg wir zu einem wahren Orienentierungsmarsch über Schneefelder
Der Lichtsee wurde erreicht - zumindest von einer Gruppe
Zum Aufwärmen findet die Mittagspause im Biwacksack statt
An der Küchentür: Unser Menü- und Helferplan
Der idyllische Obernberger See lädt ein zu Wasserspielen - zum Baden ist es noch zu frisch
Bei einer Ausfahrt mit dem Reisebus wird sogar die Fahrt zum Vergnügen
Pausensnack mit Stoppuhr: das Weingummischnurwettessen
Wandern bis zur totalen Erschöpfung...

 

Ausfahrt der Familiengruppe Rotmilane nach Obernberg / Brenner

 

Neun Uhr morgens. Der erste Bordfilm war gerade zuende, als der Reisebus auf einen Parkplatz kurz hinter Reutte rollt. Verschlafen blinzeln einige Kinder auf den Abspann, andere, vor allem die Erwachsenen, öffnen die Augen und strecken sich. Neun Familien mit insgesamt 37 Personen, die um sechs Uhr dreißig in Ellwangen losgefahren sind, machen sich zum Aussteigen bereit. Das Ziel ist Obernberg am Brenner, doch zunächst steht eine große „aktive Pause“ auf dem Programm. Gemeinsam steigen wir auf zur mächtigen Burgruine Ehrenberg, wo sich die Kinder austoben und verstecken können und –das spannendste – auf dem Weg dorthin zahlreiche Bergsalamander finden. Unser ursprüngliches Ziel, die mit über 400 m die längste Fußgängerhängebrücke der Welt, lassen wir wegen des recht hohen Eintrittspreises aus – wir werden in den nächsten Tagen schließlich noch mehr Tiefblicke haben.

Ausgeruht kommen wir mittags im Jugend- und Seminarhaus Obernberg am Brenner an, wo wir das durch einen beweglichen Ferientag lange „Christi-Himmelfahrt-Wochenende“ vom 14.-17. Mai 2015 verbringen wollen. Das Haus des Alpenvereins Innsbruck liegt auf 1400 m im Obernberger Tal, einem Abzweig des Wipptals („Brennertal“). Die Gebirgsregion wird als „Brennerberge“ bezeichnet und zu den Stubaier Alpen gezählt. Der Forschungsreisende Déodat de Dolomieu hat hier übrigens erstmalig das Karbonatgestein charakterisiert, das später nach ihm benannt wurde. Die höchsten und auch die schwierigsten bergsteigerischen Ziele sind die im Landschaftsschutzgebiet gelegenen Tribulaune und die Schwarze Wand. Wir als Familiengruppe wollen uns freilich mit kleineren Zielen begnügen und erkunden – noch vor dem Beziehen der Lager – das Gelände unweit der Hütte, zwischen Parkplatz Waldesruh und Hinterrenns. Idyllisch liegt der flache Hinterennsbach an wunderschönen Magerwiesen, eingesäumt von Lärchen und Latschenkiefern: Ideal fürs Picknick und für ausgedehnte Geländespiele, wofür wir auch den Tag bis zu den letzten Sonnenstrahlen am frühen Abend nutzen. Ein Teil der Gruppe macht sich schon vorher auf den Weg, um das Essen für die Gruppe zu vorzubereiten – keine leichte Aufgabe bei so vielen Teilnehmern, weshalb sich immer zwei Familien zum Einkaufen und Kochen zusammengeschlossen haben.

Wegen eines Regen-Intermezzos fällt auf Tag Zwei nach langem Frühstück eine nur kurze Wanderung, die übrige Zeit kann jedoch mühelos gefüllt werden. Boulderwettbewerb und Knotenkunde stehen auf dem Programm, für die Kinder auch einfach nur Spielen in Haus und Lager – hier haben wir den Vorteil, dass eine Etage allein uns „gehört“.

Am dritten Tag stabilisiert sich das Wetter, so dass große ganztägige Wanderungen möglich sind. Es wurden schon am Vortag drei Leistungsgruppen gebildet, für die auch einige Familien getrennt wurden. Was im Vorjahr, bei einer ebenfalls großen Ausfahrt, noch wegen Bedenken von Kindern oder Eltern nur eingeschränkt verwirklicht wurde, sollte nun ausgezeichnet funktionieren: Die Gruppe mit den Schulkindern wandert über Hinterenns in den Talschluss, um von dort aus zur Inneren Wildgrube aufzusteigen. Fortkommen und Orientierung werden durch zahlreiche Schneefelder leider noch so sehr erschwert, dass die lange Querung am Südhang des Kastnerbergs zum Lichtsee, wo der Zusammenschluss mit der mittleren Gruppe geplant war, doch unmöglich wird. Dennoch wurde es eine lange, hochalpine Rundwanderung mit ca. 1000 hm, bei der wir an mancher Geländestufe in Altschnee oder auf rutschigem Steig froh waren, ein Seil dabeizuhaben – sowie einen großen Biwaksack und eine Rettungsdecke, zum Aufwärmen in der Mittagspause. Sehr hilfreich wären Gamaschen gewesen, zumindest für die Spurenden, aber man lernt aus Erfahrung! Die mittlere Gruppe (Vorschüler) erreicht trotz des Restschnees den ca. 2100m hoch gelegenen Lichtsee. Die Gruppe mit den ganz Kleinen (teilweise Einjährige) wandert im flacheren Gelände zum Obernberger See. Die Dauer der Tour, Anforderungen und Pausen konnten gruppenspezifisch gestaltet werden, so dass Spass und Spiel in der Natur mit ihren Lärchenwäldern, Altschneefeldern, und Bächlein nicht zu kurz kamen.

Am vierten und letzten Tag wandern wir alle gemeinsam bei bestem Wetter zum Obernberger See. Auch dorthin führt der Weg die meiste Zeit entlang an einem idyllischen Bach, so dass an zügiges Fortkommen nicht zu denken ist. Doch schließlich erreichen wir das wahre Juwel des Tals, den Obernberger See, mit seinem türkis bis azurfarbenen Wasser und der romantischen Kapelle Maria am See. Hier machen wir ausgiebig Rast, die Kinder sind sowieso bis auf Weiteres nicht vom Wasser wegzubekommen.

Am frühen Nachmittag steigen wir in den Bus zur Rückfahrt. Die Kids dürfen wieder einen Film gucken, derweil macht eine Leiterin die Abrechnung mit den Teilnehmern (Auslagen, Buskosten). Und wieder wird nach der Hälfte der etwa vierstündigen Fahrt eine aktive Pause eingelegt, diesmal am Auwald-Erlebnispfad bei Füssen. Tobend und im Laufschritt erkunden die Kinder die zahlreichen Erlebnis- und Spielstationen. Hier, im Flachen und am Ende der bis dahin verletzungsfreien Gebirgsfahrt, gibt es nun die ersten Opfer des Übermuts: eine Mutter, im steilen Rutschen ungeübt, prellt sich den Kopf, ein Kind, beim Versuch rückwärts (!) über einen Bach zu hangeln, landet in diesem. Mit Ersatzkleidern (Kind) und Aspirin (Mutter) geht es die letzten Kilometer nach Hause. Da von den kulinarischen Köstlichkeiten der Verpflegung noch einiges übrig ist (Schokopudding!), werden in einer Tombola die übriggebliebenen Lebensmittel verlost. An diesem Sonntagabend musste sicher keiner der Teilnehmer hungrig ins Bett. In Ellwangen angekommen gibt es einen riesengroßen Applaus für unseren Busfahrer, selbst Familienvater und Teilnehmer an der Ausfahrt. So entspannt war die Reise in die Berge, dank ihm, für die Gruppe noch nie.

 

Text und Fotos: Daniel Schiefer

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