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Events / Veranstaltungen
Geschichte der Stuttgarter Hütte

1910 Die Stuttgarter Hütte wird vom Deutschen Alpenverein e.v. in 2310 Metern Höhe auf dem Krabachjoch erbaut.

1911 Sektionsmitglied Robert Bosch übernimmt die Kosten für einen Verbindungsweg zur Ulmer Hütte, dem sogenannten Boschweg"

1931 Die Suttgarter Hütte wird wegen Baufälligkeit geschlossen und abgerissen,

1936 Einweihung der neuen Stuttgarter Hütte

1962 Fertigstellung der Materialseilbahn von der Trittalpe zur Stuttgarter Hütte

1964 Erweiterungum eine zusätzliche Gaststube

1984- 1994 In diesem Zeitraum wird die Stuttgarter Hütte sukzessive renoviert und saniert.

1984 Es wird mit der Elektrifizierung der Materialseilbahn begonnen. In den Folgejahren werden Trag- und Zugseil ausgetauscht und die Bahn erhält eine Luftfahrtkennzeichnung.

1987 Im Februar fegt ein Sturm mit über 210 km/h übers Krabachjoch: das Blech des Steildaches hat sich zu einer skurrilen Skulptur verformt und ist nicht mehr zu gebrauchen. Das Blechdach wird erneuert, Gleichzeitig wird die Stuttgarter Hütte mit Hilfe einer Erdverkabelung an das Stromnetz. angeschlossen. Das Kabel ist 2,8 Kilometer lang und führt von der Trittalpe aufs Krabachjoch.

1987/1988 Mit dem Einbau einer seperaten Pächterwohnung, der Neugestaltung der Sanitärräume, dem Einbau neuer Fenster sowie der Errichtung eines Winter- und Selbstversorgerraums wird ein großer Schritt im Zuge der Generalsanierung vollzogen.

1988 Im Sommer entsteht eine neue Quellfassung, rund 700 Meter von der Hütte entfernt in Richtung Erlenjoch. Der neue Hochbehälter fasst 10 000 Liter.

1990 Vom 26. auf den 27. Februar treibt "Wibke" ihr Unwesen. Das Sturmtief erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 260 krn/h - und das ausgerechnet am Krabachjoch. Über Nacht verliert der Gastraum der Stuttgarter Hütte sein Dach. Auch der Kamin wird einfach weggefegt. Schneemassen dringen in den Winterraum, in die Seilbahnstation und - noch schlimmer - in den Küchenbereich, den Gastraum und die Lagerräume der Stuttgarter Hütte. Die Folge ist ein extremer Schimmelbefall.
Die Küche ist nicht mehr zu retten: Totalschaden. Einer notdürftigen Sofortbehandlung folgen im späten Frühjahr die eigentlichen Reparaturmaßnahmen. Dabei wird innerhalb von vier Wochen eine komplett neue Küche eingebaut.

1999 Die Stuttgarter Hütte wird mit einer neu entwickelten biologischen Abwasserreinigungsanlage ausgestattet. Urheber des neuen Systems ist die Uni Innsbruck. Die Reinigungsanlage entstand im Rahmen eines EU-Projektesund zeichnet sich durch eine einfache Handhabung sowie hohe Effizienz aus. Zudem ist das System äußerst wartungsarm.

2002 Austausch der Fensteran der Wetterseite

2004 Die Stuttgarter Hütte wird im Rahmen der Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins e.v. mit dem Umwelt gütesiegel der Alpenvereine ausgezeichnet.

2005 Im Verlauf der Hüttensaison entsteht ein Duschbereich für die Hüttengäste.

2011 erfolgte eine umfassende Renovierung mit Aufstockung

Vortrag Stuttgarter Hütte, 15.07.2016
Kletterbilder aus dem oberen Roggspitze Südwestpfeiler
Kletterbilder aus dem oberen Roggspitze Südwestpfeiler
Stuttgarter Hütte
Roggspitze, 2747 m, mit Südwestpfeiler, Südost wand und Ostgrat, im Hinter-grund links, Rüfi- oder Rüchispitze, 2832 m, von der Valluga aus, 2809 m

Geographie und Geologie der Umgebung
Der Lech hat seinen Ursprung im Lechquellengebirge (einer noch jungen Bezeichnung für das Gebiet zwischen Allgäu, Bregenzer Wald und den Lechtaler Alpen), und zwar im Formarin- und im Spullersee bzw. deren Bächen. Am Flexenpass verläuft die Europäische Wasserscheide Rhein-Donau. Aus unserem Gebiet speisen Pazüel- und Monzabonbach den Zürser Bach, der in Lech den Lech erreicht. Der weitere Verlauf über Warth und bis Steeg ist schluchtartig eingetieft und nahezu unzugänglich. Zwei lange Täler ziehen von unserem Standort hinunter ins Lechtal, das Krabachtal, direkt vom Krabachjoch, und das Almajurtal, vom Erlisattel und dem Bereich Roggspitze-Valluga. Beide münden dann vor bzw. in Steeg. Anschließend folgt das Tiroler Lechtal, heute, nach jahrelang hartem Kampf gegen einen Ausbau zur Energiegewinnung, als Naturpark ausgewiesen und gesichert. Der Tiroler Lech gilt als eine der letzten alpinen Wildflusslandschaften und wird in diesem Zusammenhang immer gleich nach dem noch größeren und wilderen Tagliamento in Friaul genannt. Bis zur Mündung bei Augsburg erreicht der Lech 264 km Länge.
Die Lechtaler Alpen sind der etwa 40 km lange Gebirgszug zwischen Flexen- und Fernpass bzw. zwischen Lech, Rosanna/Sanna und Inn. Sie sind damit Teil der westlichen Nördlichen Kalkalpen und weisen deren einzigen Dreitausender, die 3036 m hohe Parseierspitze auf. Die, wenn auch kleinen Gletscher bzw. Ferner, die vor hundert Jahren hier noch bestanden, sind heute weitgehend verschwunden oder nur noch als Firn- und Eisfelder, wie dem Pazüelferner am Robert-Bosch-Weg unter der Trittscharte, als Rest erhalten.
Die Ostalpen sind geologisch bekanntlich ein Deckengebirge. Die Decken des Ostalpins wurden infolge der Kollision der Kontinentalplatten von Afrika bzw. dessen Randplatte Adria mit dem Kontinent Eurasia bis zu 200 km über den Bereich der heutigen zentralen Ostalpen geschoben. Dabei sind die Sediment-gesteine der Trias-, Jura- und Kreidezeit von ihrem Untergrund aus älteren, kristallinen Gesteinen abgeschert worden. Vereinfacht ausgedrückt bilden die Sedimente die Nördlichen Kalkalpen, das etwas zurückgebliebene Kristallin z.B. Verwall und Silvretta. Im Norden liegen die ostalpinen Decken auf dem penni-nischen Flysch und dem Helvetikum, Gesteins-Einheiten, die wir aus dem Bereich der Schwarzwasserhütte kennen.
Die westlichen Nördlichen Kalkalpen werden aus 3 großen Decken aufgebaut,
der Allgäu-, der Lechtal- und der Inntaldecke. Nur hier in unserer Umgebung gibt es eine 4. Decke, die Krabachjochdecke, oder weil sie relativ klein ist, manchmal auch nur als Klippe bezeichnet. Es ist die am weitesten von Süden her überschobene Einheit, man könnte den Ablagerungsraum schon zu Afrika zählen. Das Krabachjoch, an dem wir uns befinden, ist also in der Geologie „weltbekannt“. Dass die Reste dieser höchsten Decke hier erhalten geblieben sind, verdanken sie einer ausgeprägten weiten Einmuldung des gesamten Deckenstapels, die man im Aufstieg vom Pazüeltal aus gut erkennen kann.
Der Deckenbau bewirkt das Auftreten sehr unterschiedlicher Gesteine auf engem Raum, die Überlagerung älterer auf jüngeren Gesteinen, Wiederholungen in der Schichtenfolge und die Nachbarschaft zwar gleich alter, aber ganz unter-schiedlich entstandener Gesteine. Oft sind die Schichten innerhalb der Decken dann zusätzlich auch noch gefaltet, ausgequetscht oder gänzlich abgeschert.
Und in dieser nicht gerade einfachen Struktur bildet die Roggspitze zusätzlich einen Fremdkörper, der dort eigentlich nicht hineinpasst. Sie besteht aus teil-weise verkieselten Allgäu- und Aptychenschichten mit randlich eingeklemmten Resten von roten Liaskalken, hellen Rätolias-Riffkalken und grauem Hauptdolo-mit. Und dieser ganze Komplex steckt wie ein Pfropf in Kreideschiefern der Lechtaldecke. Man nimmt an, das hier beim Deckenschub ein Rieseblock abge-glitten ist und im weiteren Verlauf in die tiefer liegende Decke hineingepresst wurde, man nennt das einen Olistolithen. Aptychen, nach denen die Aptychen-schichten benannt sind, sind die Deckel der im Meer frei schwimmenden Ammoniten. Da sie ursprünglich aus Hornsubstanz bestehen, sind sie hier ver-steinert erhalten, die kalkigen Ammonitengehäuse dagegen spurlos aufgelöst.
Otto Ampferer war einer der Pionier und Mitbegründer der modernen Alpen-geologie. Er begann seine Laufbahn zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit einer vollständigen geologischen Kartierung der Lechtaler Alpen. Auch wenn inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten dazu gekommen sind, ver-danken wir ihm die grundlegenden Kenntnisse dieser Region.
Bergsteiger wissen allerdings, dass Otto Ampferer auch ein ausgezeichneter Kletterer war, 1899 gelang ihm mit Karl Berger die Erstbesteigung der Guglia di Brenta, oder dem Campanile Basso. Die kühne, äußerst ausgesetzte Gipfelwand über dem Albergo al Sole trägt als Ampferer-Wand noch heute seinen Namen.

Historisches
Die frühe Besiedlung der Alpen, die sicher schon vor Ötzi, d.h. vor mehr als 5000 Jahren begann, setzt immer wieder in Erstaunen. Auch die Almwirtschaft hat eine sehr lange Tradition. Große Teile der Alpen sind altes Kulturland.
Durch eine Chronik um das Jahr 1200 ist belegt, dass vom  Kloster Weingarten aus, damals das Hauskloster der Welfen, den Konkurrenten der Staufer, alljährlich die im Eigentum stehenden Almen bereist wurden, darunter auch die Alpe „Crapah“, im heutigen Krabachtal oberhalb Steeg. Auch im späteren 14. Jahrhundert ist noch dokumentiert, dass das Kloster Weingarten, wahrscheinlich auch das Herzogtum Schwaben, Besitztümer im Bregenzer Wald und im Lechtal verwalteten.
Im späten 13. und im 14. Jahrhundert kamen die Walser nach Vorarlberg. Bei damals klimatisch günstigen Verhältnissen siedelten sie oft an den Hängen oberhalb bereits besiedelter Gebiete, haben aber auch ganze Ortschaften gegrün-det, wie z.B. Tannberg am Lech, aus dem später Lech am Arlberg wurde, ob-wohl es eigentlich gar nicht am Arlberg liegt.
Die Walliser, später dann Walser genannt, gehen zurück auf eine alemannische Volksgruppe, die im 10. Jahrhundert das Wallis, insbesondere die Goms, besie-delten und dann im 12. bis 14. Jahrhundert, aus nicht sicher bekannter Ursache, vielleicht einer Überbevölkerung, in mehreren Gruppen in verschiedenen Richtungen in benachbarte und weiter entfernte Alpentäler ausgewandert sind.
Sie wurden von den örtlichen Landesherren meist wohlwollend aufgenommen und mit besonderen Rechten, z. B. einer eigenen Gerichtsbarkeit, ausgestattet.
Übrigens liegen vier unserer Sektionshütten im Walser-Siedlungsgebiet, die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal, das Schwabenhaus auf der Tschengla bei Bürserberg, einer Walsersiedlung, die Jamtalhütte bei Galtür (mit einer anteilig walserischen Bevölkerung) und die Stuttgarter Hütte bei Lech.
Eine Urkunde von 1612 nennt erstmals die Roggspitze, und zwar als Landmarke bzw. Grenzpunkt zwischen den vier Bistümern Brichsen, Augspurg, Constanz und Chur. Die Grenzen waren identisch mit jenen der Herrschaften Landegg, Ehrenberg, Bregenz und Sonnenberg, wobei der Verlauf derjenige zwischen Landegg und Sonnenberg „über den Walfagger, herab zu dem Creyz, so auf dem Arleberg steht“ beschrieben wurde.

Einige Namen und ihre Deutung
Entsprechend dem alten Kulturland haben manche fremd klingende Namen romanische, rätoromanische oder mittelhochdeutsche Wurzeln:
- Lech von Licca = Steinwasser, einem sehr alten Begriff
- Almajur, Alpe major, die größere Alpe
- Monzabon, wahrscheinlich von Monta salvanu = waldiger, bewaldeter Berg
- Pazüel oder Paziel, vielleicht von puteolu = Brünnlein
- Krabach, von kra = Krähe, aus dem Mittelhochdeutschen,
- Roggspitze, natürlich von rocca = Fels, aus dem Rätoromanischen
- Fanggekarspitze, mundartlich und in Sagen bedeutet Fangga = wilde Waldfrau
- Rüchi- oder Rüfispitze/-kopf = Karrenfeld, im Tannberg-Gebiet, walserisch
- Flexenpass, lateinisch flexus, romanisch fless = Biegung, Wegkehre, des sehr   alten Passweges aus dem Klostertal ins Lechtal
- Valluga, Valfagehr = vermutlich von vallis Vaccaria = Kuh-Alpe oder -Tal, rätoromanisch; schon 1612 ist der Bergname Valfaggar belegt (das ist aber noch nicht besonders alt, denn z. B. der Name des Widdersteins ist als Grenzmarke „Widerostein“ bereits in einer Urkunde von 1059 festgehalten)
- Tritt (-alpe, -kopf) bedeutet Weideplatz
- der Name Zürs wird unterschiedlich gedeutet, wahrscheinlich kommt er von Clausura = eingezäunter Ort.

Geschichte der Hütte
Die Stuttgarter Hütte wurde nach sorgfältiger Erkundung und Vorbereitung sowie Beschluss der Generalversammlung am 3.12.1908 im Jahr 1909 als dritte Hütte der Sektion Schwaben – nach der Jamtalhütte 1882 und dem ersten Hallerangerhaus 1901 – auf 2310 m Höhe am Krabachjoch errichtet und 1910 ausgebaut und eingeweiht. Die Hütte steht unweit der Grenze zu Vorarlberg bzw. der Gemeinde Lech im Land Tirol. Der Baugrund wurde von der Gemeinde Steeg kostenlos zur Verfügung gestellt, allerdings in der Hoffnung, dass die Sektion nennenswert in die Wegeverhältnisse investieren wird. Was dann auch geschah. Damals bzw. 1909 war die Sektion Schwaben gerade mal 40 Jahre alt und hatte 2337 Mitglieder. Die Zeit um die Jahrhundertwende, vor dem ersten Weltkrieg war voller kultureller, technischer und wirtschaftlicher Auf-bruchstimmung.
Die Kosten des Hüttenbaus wurden exakt verbucht und betrugen 29.081, 26 Mark, einschließlich von 491,30 Mark für die Einweihungsfeier. Zürs war damals noch ein kleines, wohl auch armes Dorf mit immerhin 2 Gasthäusern, der Alpenrose und dem Edelweiß. Die schwäbischen Gäste und Bergsteiger waren damals hochwillkommen und wurden freundlich begrüßt. Die Ulmer Hütte war schon 1903 entstanden, andere Nachbarhütten, die Biberacher, Freiburger, Leutkircher, Ravensburger und die Göppinger Hütte kamen bald hinzu.
Leider war das Haus aber nicht solide schwäbisch gebaut, schon im ersten Jahr gab es Schäden am Fundament und am Dach. Die Witterungsverhältnisse am Krabachjoch sind allerdings extrem. Bereits 1931/32 musste das Haus geschlos-sen und wegen Baufälligkeit vollständig  abgerissen werden. 1936 konnte dann der Neubau eingeweiht und eröffnet werden. Seit dem hat sich zwar manches geändert, z.B. ist der Mulistall längst verschwunden, dagegen hat der Grund-stock der Hütte bis heute Bestand. Wichtige weitere Stationen waren:
-    1962 wurde die Materialseilbahn von der Trittalpe erstellt, die inzwischen   elektrisch betrieben wird.
-    1964 wurde an der Südwestseite ein/dieser Gastraum angebaut.
-    1984 bis 1994 erfolgte eine schrittweise Renovierung und Sanierung der Hütte mit dem nordostseitigen Anbau der Pächterwohnung
-    1987 fegte im Februar ein Sturm mit 210 km/h über das Krabachjoch, der das Blechdach der Hütte einfach abgerollt hat. Im gleichen Jahr wurde dann die Energieversorgung durch ein 2,8 km langes Stromkabel von der Trittalpe her neu geregelt. In das Nebengebäude der Seilbahn-Bergstation wurde ein Winter- und Selbstversorgerraum (für angemeldete Jugend-gruppen) mit 12 Lagern und für den benachbarten Almbetrieb ein Hirten-zimmer eingerichtet.
-    Im Februar 1990 raste der Sturm Wibke mit 260 km/h über das Krabach-joch. Schneemassen drangen in die Küche, den Gastraum, den Lagerraum, in die Seilbahnstation und in den Winterraum ein und richten dort überall schwere Schäden an.
-    In den Folgejahren wurde – von der Umweltgruppe der Sektion – die alte Müllhalde beseitigt. Richtung Erlijoch, 700 m von der Hütte entfernt, wurde eine neue, inzwischen auch eingezäunte Quellfassung angelegt, dazu ein Hochbehälter für 10 m³ Fassungsvermögen. Besonders im Herbst wird das Wasserdargebot gelegentlich aber etwas knapp. Das Trinkwasser wird zusätzlich durch eine UV-Anlage entkeimt. Die zunächst einfache Kläranlage wurde 1999 mit einer neu entwickelte biologischen Reini-gungsstufe erweitert, die bis heute gut funktioniert.
-    2004 – und erneuert 2014 – erhielt die Stuttgarter Hütte das Umweltgüte-siegel der Alpenverein DAV und OeAV.
-    2009 wurde das 100jährige Hüttenjubiläum festlich begangen.
-    2011 erfolgt nach gründlicher Vorbereitung in nur 3 Monaten, bei zeit-weise schlechtem Wetter und bei laufendem Hüttenbetrieb ein grund-legender Umbau der Hütte. Das Dachgeschoss wurde abgetragen und höher, in Holzbauweise und mit neuer Raumaufteilung, mit mehr Zim-mern und etwas weniger Lagern, neu ausgeführt. Ein neues Treppenhaus und spezielle Türen erfüllen die aktuellen Brandschutzauflagen. Bereits im September konnte der gelungene Umbau festlich eingeweiht werden.
-    Auch weiterhin sind, allerdings kleine Sanierungen und Reparaturen an der Hütte und der Seilbahn erforderlich.

Berge, Wege und AV-Arbeitsgebiet
Zur Errichtung einer Gebirgshütte gehörte damals auch die Herstellung eines Wegenetzes als Zugang und zu benachbarten Hütten, eingeschränkt auch auf ge-eignete Gipfel. Das AV-Arbeitsgebiet um die Stuttgarter Hütte umfasst knapp 90 km² und reicht im Westen bis zum Flexenpass und Zürs, im Süden bis zur Valluga, im Osten zum Almajurtal und im Norden zum Lech. Alpintouristisch konzentriert sich aber alles auf die die Umgebung der Hütte zwischen Rüfikopf und Valluga sowie die Berge und den Hauptkamm im Osten.
Gleich nach dem Hüttenbau wurde die Herstellung der Bergwege zu den Nach-barhütten in Angriff genommen. Zwischen Ulmer und Stuttgarter Hütte wurde 1911 ein anspruchsvoller, sehr kühn über die Trittscharte, den Pazüelferner und durch Steilhänge unter der Roggspitze hindurch führender Pfad angelegt. Der Firmengründer Dr. Ing. Robert Bosch, ein begeisterter und guter Bergsteiger, Skifahrer und Jäger, war damals unser Sektionsmitglied. Er hat die gesamten Kosten des Wegebaus übernommen und zur Eröffnung den Weg selbst be-gangen. Der Weg wurde  deshalb Boschweg, später dann etwas genauer Robert-Bosch-Weg benannt. Nachdem der Weg streckenweise verfallen war und gesperrt werden musste, hat zum 100jährigen Bestehen 2011 der Vorstands-vorsitzende der Robert Bosch GmbH für die Wiederherstellung eine Spende über 10.000 € und nützliche Bosch-Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Daran erinnert eine Tafel an der Seilbahnstation und auf halber Strecke des Weges.
Der nächste wichtige Weg war der zur Leutkircher Hütte über den Erlisattel und durchs Almajurtal, der anschließend hergestellt wurde. Später hat die Be-zirksgruppe Calw im Rahmen ihrer Patenschaft den Calwer Steig vom Erlisattel auf die Fanggekarspitze hergerichtet. Vor Jahren wurde der Aufstieg auf die Valluga neu trassiert, er ist allerdings bereits wieder sanierungsbedürftig.
Die Unterhaltung der Wege im Arbeitsgebiet ist, auch bedingt durch die geologischen Verhältnisse, sehr aufwändig. Es gibt Wegstrecken, die nahezu jedes Jahr mit Saisonbeginn neu hergerichtet werden müssen. Letztes Jahr haben wir erlebt, wie ein mittelstarkes Gewitter den Robert-Bosch-Weg durch eine tiefe Mur-Rinne auf 5 m breite praktisch unpassierbar unterbrochen hat. 
Wir sind deshalb froh, mit Martin Wolf vor Ort einen erfahrenen und erforder-lichenfalls auch rasch einsatzbereiten und zugreifenden Wege-Betreuer zu haben. Mit ihm,  mit dem Wegereferenten der Sektion, Hermann Rapp, mit dem Hüttenwirt und dem Hüttenwart klappt m.E. die Zusammenarbeit ausgezeichnet.

Zur Alpingeschichte
Die erste Besteigung der Roggspitze, 2747 m, gelang Martin Joseph Zudrell, einem Hirten aus dem Pazüeltal, im Jahr 1877. Im gleichen Jahr wurde von Madlener, aus Bregenz, die Valluga, 2809 m, erstmals touristisch bestiegen und überschritten, deren Gipfel aber wohl schon früher aufgesucht worden war.
Im weiteren Verlauf sind zwei Themen besonders berichtenswert: Die Kletterge-schicht der Roggspitze und Skigeschichte des Arlberggebiets.
1904 haben sich Viktor Sohm und Eduard Pichl zusammengetan und die Rogg-spitze von Süden erklettern. Die Linienführung wurde inzwischen mehrfach etwas geändert und verbessert, der Südwestpfeiler ist aber bis heute eine sehr beliebte, etwa 250 m hohe Klettertour im oberen III. Schwierigkeitsgrad und in verschiedenartigem, meist aber überraschend festem Fels.
Viktor Sohm aus Dornbirn gehörte zu den ersten und ganz großen Skipionieren am Arlberg, aber auch bedeutende Bergfahrten wie die Erstbegehung der Presa-nella-Nordwand sind ihm gelungen. Eduard Pichl aus Wien war ein ausgezeich-neter Kletterer mit zahlreichen Erstbegehungen in den Ostalpen, am berühmtes-ten davon ist wahrscheinlich die 1000 m hohe Langkofel-Nordkante in den Dolomiten. Pichl war aber auch ein schlimmer Antisemit, bereits 1921, als er Vorsitzender der Sektion Austria, der größten OeAV-Sektion wurde, hat er dort, lange vor der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland und später in Österreich, einen Arierparagraphen durchgesetzt und eingeführt. Jüdische Bergsteiger mussten die Sektion und bald auch andere Sektion des OeAV und später auch des DuOeAV verlassen, darunter ganz hervorragende Alpinisten.
Später wurden an der Roggspitze weitere Routen erschlossen, 1921 die  Ost-kante und ein Weg, den Wollmann-Kamin (Schwierigkeit IV-V) schräg durch die Südostwand, beides durch Wollmann und Weber. Direkte Südost-Wand-Routen im VI. Schwierigkeitsgrad wurden 1942, 1951 und 1961 eröffnet, letzte-rer Weg durch unsere Sektions- und Jungmannschftsmitglieder Jürgen Schubert und Gerd Stegmeier. Eine moderne Route in der West/Südwestwand heißt „Ein Stück vom Himmel“ und ist mit der Schwierigkeit 8 (oder 6+/A1) bewertet.
Da der Abstieg von der Roggspitze durch die Schwarze Rinne je nach den Ver-hältnissen gefährlich ist und bereits Opfer gefordert hat, wurden vor einigen Jahren einige Bohrhaken, von oben gesehen rechts der Rinne, im Abstand von etwa 20 m angebracht, an denen gesichert oder abgeseilt werden kann.
Die Entwicklung des Skisports ist eng mit der Arlberg-Region verbunden. Bereits im Winter 1895 hat man den Pfarrer von Lech auf Skiern, die er sich aus Norwegen hat kommen lassen, im Schnee beobachten. Er fand bald Nachahmer, die sich eigene Holzlatten herstellten und eigene Abfahrtstechniken entwickel-ten. Zu den entscheidenden Pionieren um die Jahrhundertwende gehörten Viktor Sohm am Arlberg, später der Lehrmeister des legendären Hannes Schneider, Wilhelm Paulcke und Mathias Zdarsky, die übrigens alle auch ausgezeichnete Bergsteiger waren, die mit ihren Brettern aufstiegen und technische Aufstiegs-hilfen zunächst noch abgelehnt haben.
Die Sektion Schwaben war an dieser Entwicklung aktiv beteiligt. 1905 wurde die SAS, die Schneeschuhabteilung der Sektion Schwaben des DAV gegründet und von dieser 1906 der erste Schneeschuhwettlauf auf der Schwäbischen Alb, mit 1000 Zuschauern durchgeführt. Die Stuttgarter Hütte wurde auch als Skifah-rer-Stützpunkt geplant und gebaut und war anfangs zu Weihnachten und Ostern für die Skiläufer geöffnet, es gab ja damals in Zürs und Lech noch keine Lifte. 

Und zuletzt: Hüttenwarte und Hüttenwirtsleute
Erster Hüttenwart der Stuttgarter Hütte war Anton Entress, später Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Sektion Schwaben. Nach ihm ist der Aufstiegsweg von der Trittalpe benannt (allerdings auch auf der neuesten AV-Karte leider immer noch falsch geschrieben).
Eine bekannte und beliebte Hüttenwirtin war von 1923 bis 1956 Mizzi Schaal.
1959 begann dann die Ära Beiser, zunächst über 25 Jahre, bis 1983, mit Geb-hard Beiser. Heidi und Florian Beiser führen die Hütte seit 1984, also über nunmehr 32 Jahre – und Sohn Fabian ist bereits seit Jahren aktiv mit dabei.
Heidi und Florian kümmern sich mit hohem Engagement um die Hütte und mit lebhafter Herzlichkeit, mit langer Erfahrung und, wenn erforderlich, auch mal mit Bestimmtheit um die Gäste. Küche und Bewirtung beruhen auf heimischen Produkten, sind gut und gesund und einer Berghütte angemessen, das wird auch oft gelobt. Das Alles sorgt für einen weithin guten Ruf und große Beliebtheit der Hütte, der Küche und der Hüttenwirtsleute, das gilt sowohl für die Tagesgäste, die oft von Lech aus mit der Rüfikopf-Bahn und über die Rauhekopf-Scharte zur Hütte kommen, als auch für die Übernachtungsgästen, die zu den umgebenden Gipfeln, auf der Lechquellenrunde oder dem Höhenweg durch die Lechtaler Alpen unterwegs sind.
Der Erfolg zeigt sich auch in den beständig steigenden Übernachtungszahlen, die im vorigen Jahr erstmals die 4000 überschritten haben. Davon profitieren die Sektion Schwaben und hoffentlich auch die Wirtsleute Heidi und Florian Beiser.
Und um die Anerkennung dieser hohen Verdienste sichtbar zum Ausdruck zu bringen, hat der Vorstand der Sektion beschlossen, heute, zum Sektionstag auf der Stuttgarter Hütte, Heidi und Florian Beiser mit der Goldenen Ehrennadel der Sektion Schwaben auszuzeichnen. Dazu mein herzlicher Glückwunsch.

 

Text und Fotos von Wilhelm Schloz, Hüttenwart der Stuttgarter Hütte

Die bisherigen Hüttenwarte:

1910-1912 Anton Entreß

1912-1931 Walter Authenrieth

1931-1933 Hermann Cuhorst

1933-1934 Dr. Schopper

1934-1945 Eugen Roller

1946-1953 Heinz Roller

1953-1957 Adolf Maile

1957-1987 Hermann Knorpp

1987-2005 Herbert Grieshaber

2005-2014 Klaus Rentschler

seit 2014 Wilhelm Schloz

Die bisherigen Hüttenwirte:

1910-1920 Eduard Vonbank

1920-1923 Engelbert Strolz

1923-1956 Mizzi Schaal

1956-1959 Alois Haid

1959-1983 Gebhard Beiser

1984-2017 Florian und Heidi Beiser

seit 2018 Andrea Walch

AlpinZentrum

AlpinZentrum
Sektion Schwaben des DAV
Georgiiweg 5
70597 Stuttgart
TEL 07 11/76 96 36-6
FAX 07 11/76 96 36-89
info(at)alpenverein-schwaben.de

Öffnungszeiten:
Mo:     geschlossen
Di.:  10.00 - 19.00 Uhr
Mi.:  10.00 - 16.00 Uhr
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