Klettern auf der Alb // Unbekannte Genussklettereien

So langsam hat sich herumgesprochen, dass man auf der Schwäbischen Alb ganz gut klettern kann. Zumindest dann, wenn man im 6. und 7. Grad solide unterwegs ist. Deutlich undankbarer ist die Lage aber ein Level tiefer, bei den sogenannten Genussklettereien. Da gilt vielerorts: Fehlanzeige. Entsprechend steppt an den paar wenigen prädestinierten Felsen im Einzugsbereich der Stuttgarter Kletterer der Bär: am Neuffener, am Hockenloch oder am Wiesfels. Doch auch beim Klettern gilt der Grundsatz: Wer Mühen auf sich nimmt, findet Alternativen.

Eines der eher wenig bekannten Kletterziele auf der Alb ist die Günzelburg. OK, man muss dazu bis nach Blaubeuren, und Ja, es geht 20 Minuten bergauf. Aber: na und? Zumal der Zustieg vom Bahnhof in Blaubeuren keine 10 Minuten zusätzlich fordert und man so den Klettertrip absolut CO2-vorbildlich gestalten kann.

Während die Blautäler Locals die Überhänge in der Südwand schätzen, blieb der Sektor um die Südkante lange unbeachtet. Kein Wunder: Die Beschreibung in den Kletterführern bewegte sich bisher stiefmütterlich zwischen vage und wenig brauchbar.

Fakt ist, dass kaum mehr jemand weiß, wie genau die originale Südkante von 1922 verlaufen ist. Vielleicht doch auf der Linie der „Südkante rechts“ (5-)? Zumindest ist das die leichteste Route des Sektors. Die Linie, die sich inzwischen als „Südkante“ (5/5+) eingebürgert hat, fordert gleich vom Boden weg beherztes Klettern. Hakenlöcher sind dort aber schon gebohrt. Alternativ kann von links her über die tolle Platte (6-) eingestiegen werden.

Unmittelbar links davon wurde die Linie direkt über die Südkante so konsumentenfreundlich eingebohrt, dass bei der Namensgebung aus der „wahren Südkante“ die „Ware Südkante“ (5+) wurde. Wer am 7. Bohrhaken direkt auf der Kante klettert, streift dort den 6. Grad. Noch einen Tick schwerer ist eine kurze Stelle in der neuen Einstiegsvariante (6-) zur „Südkante rechts“ und erst recht die insgesamt deutlich steilere und anstrengendere „Südwestwand“ (6-).

Wer das komplette Routenangebot abhakt, hat ein paar Meter geklettert und kann zum Abschluss auf dem Wanderweg von hinten auf den schönen Gipfel hoch, ein Feierabend-Bierchen ploppen lassen und übers Tal blicken. Oder in Richtung Weiler zum Lochfels schlendern, der ein ähnliches Schwierigkeitsniveau bietet. Diesen zu finden, ist aber eine Geschichte für sich...

 

Exklusiv für euch haben wir hier einen Vorabdruck aus dem im September erscheinenden Kletterführer „Steinzeit“
mit Blautal, Eselsburger Tal und Lautertal zum Download:

Günzelburg Topo zum Download