© DAV/Daniel Hug

Wintereinbruch zu Ostern

DAV rät zum Wandern im Tal und Vorsicht bei allen Touren im Schnee

01.04.2026

Knapp 20 Grad im Tal, ein Meter Neuschnee am Berg: Der Deutsche Alpenverein empfiehlt angepassten Bergsport zu Ostern.
 

Winter kehrt zurück – Wandersaison verschiebt sich

Für Bergwander-Fans hätte es gut passen können: Ein unterdurchschnittlicher Winter sorgte in vielen Regionen bereits früh für schneefreie Wege bis zur Waldgrenze. Pünktlich zu den Osterferien meldet sich jedoch der Winter zurück. Durch eine feuchte und sich wiederholende Nordstaulage ist in den letzten Tagen bis zu einem Meter Neuschnee gefallen – teils mit starkem Wind und bis in die Täler. Die Folge: Auch dort, wo es schon frühlingshaft aper und trocken war, herrschen nun wieder winterliche Verhältnisse.

Was bedeutet das für den geplanten Start in die Bergwandersaison? Die klare Antwort des Deutschen Alpenvereins (DAV): Für Bergwanderungen ist es in vielen Regionen noch zu früh.

Am Berg herrscht vielerorts noch Winter

„Die Bedingungen am Berg sind zu Ostern wieder winterlich“, sagt Stefan Winter, Bergführer und Ressortleiter Sportentwicklung im DAV. In Bayerns Bergen liegt ab der Waldgrenze auf 1800 Metern und teils darunter eine geschlossene Schneedecke. „Wer jetzt ohne entsprechende Ausrüstung unterwegs ist, bringt sich schnell in Gefahr auszurutschen oder zu durchnässen. Der Schnee liegt aktuell oft so hoch, dass man ohne Schneeschuhe oder Tourenski bis zu den Knien einsinkt und kaum vorankommt. Gleichzeitig ist die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen zum Teil erheblich, weil der neu gefallene Schnee in Steilhängen als Gleitschnee ins Rutschen kommen kann und vom Wind verwehter Triebschnee als gepackte Schneebretter abgleiten können.“

Die Bergwandersaison beginnt nicht mit den ersten warmen Tagen im Tal – sondern erst dann, wenn die Bedingungen am Berg wirklich passen. Im Zweifel gilt: lieber umdrehen oder eine einfache und kurze Tour wählen. Ein guter Überblick zur aktuellen Wetter- und Schneelage bieten DAV-Bergwetter und Bergbericht – beides muss derzeit unbedingt in die Tourenplanung einfließen.

Defensiv planen, Gefahren erkennen und Risiken realistisch einschätzen

Der DAV empfiehlt, Touren aktuell besonders vorsichtig zu planen und den Verhältnissen anzupassen:

  • tiefer gelegene Ziele in flachem Gelände ohne Absturzgefahr, Talwanderungen oder Mittelgebirge bevorzuge
  • südseitige Routen wählen, die schneller ausapern
  • aktuelle Bedingungen (Webcams, Hüttenöffnungen, Wetterberichte, Lawinenlageberichte) prüfen
  • Bereiche mit viel Schnee meiden oder nur mit entsprechender Erfahrung und Ausrüstung begehen

Besonders gefährlich derzeit:

  • hohe Schneelage auch in den Bayerischen Voralpen
  • Lawinengefahrenstufe teils erheblich (3) oberhalb der Waldgrenze, z. T. auch spontane Selbstauslösungen mit Lawinenrutschbahnen auf tiefe gelegene Wanderwege
  • nasse, matschige Wege

Auch die Ausrüstung sollte angepasst werden:

  • feste, knöchelhohe und wasserdichte Bergstiefel
  • Gamaschen
  • Kleidung im Zwiebelprinzip
  • Sonnen- und Wetterschutz
  • Grödel und Teleskopstöcke (erhältlich im Materialverleih im AlpinZentrum)
  • Verpflegung
  • Im freien ungesicherten Gelände: Lawinennotfallausrüstung und Schneeschuhe oder Tourenski

Jetzt sind andere Bergsportarten oft die bessere Wahl

Während Bergwanderungen vielerorts nicht möglich sind, bieten sich aktuell andere Aktivitäten an: Ski- und Skihochtouren profitieren derzeit von den kurzfristig guten Schneeverhältnissen.

Allerdings gilt auch hier:

Radfahren – Gravel und Mountainbike – sind vor allem in tieferen Lagen bereits gut möglich und aktuell eine attraktive Alternative. Bike-Touren sollten jedoch bewusst talnah geplant werden, da in höheren Lagen weiterhin Schnee liegt. Vor dem Start in die Bikesaison empfiehlt der DAV zudem einen gründlichen Bike-Check sowie eine angepasste Tourenwahl – viele technische Punkte lassen sich dabei selbst überprüfen.

„Zum Saisonstart gilt auch auf dem Bike: lieber gemütlich beginnen und sich wieder an die Belastung gewöhnen“, sagt Nicolas Gareis, Mountainbike-Experte des DAV. „Nicht gleich die schwierigsten Trails fahren, sondern langsam steigern – und je nach Temperatur auch an geeignete Kleidung denken.“

Auch wohnortnahes Wandern ist ein idealer Einstieg in die Saison: Spaziergänge, kürzere Touren oder “Waldbaden” bieten Bewegung, Naturerlebnis und deutlich geringere Risiken.

„Die Natur zeigt sich gerade von ihrer schönsten Seite – blühende Landschaften, erste warme Tage, viel Licht“, sagt Stefan Winter. „Wer jetzt bewusst in niedrigeren Lagen unterwegs ist, kann den Start in die Saison genießen – sicher und entspannt.“

Rücksicht auf Wildtiere in sensibler Jahreszeit

Mit dem Frühling beginnt auch eine besonders sensible Phase für die Tierwelt. Viele Tiere wie Gämse, Steinbock, Birkhuhn oder Auerhuhn sind nach dem Winter geschwächt und haben ein großes Energiedefizit. Gleichzeitig beginnt für viele Arten die Balz- und Brutzeit – Störungen können hier besonders gravierende Folgen haben, sodass die Tiere nicht überleben oder sich nicht fortpflanzen können.


 
  

Der DAV appelliert daher, Rücksicht zu nehmen und folgende Grundsätze zu beachten:

  • auf markierten Wegen bleiben
  • ausgewiesene Wildschutzgebiete und Wald-Wild-Schongebiete im Zeitraum vom 15.12. - 30.04. nicht betreten oder befahren
  • Rückzugsräume wie Waldgrenzen, lichte Wälder und alpine Rasenflächen meiden
    Dämmerungszeiten (früh morgens und abends) möglichst vermeiden, da Tiere dann besonders aktiv sind
  • Hunde anleinen und Lärm vermeiden

So lässt sich Natur erleben, ohne Wildtiere zusätzlich zu belasten – gerade in dieser sensiblen Jahreszeit.